Über Schwedische Mora-Uhren

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Burkhard Rasch
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Über Schwedische Mora-Uhren

Beitrag von Burkhard Rasch »

Auch auf die Gefahr hin , Eulen nach Athen zu tragen , möchte ich ein wenig über schwedische Bodenstanduhren , insbesondere über Mora-Uhren berichten.
Es gibt in Schweden zwei Linien der klassischen Bodenstanduhr , nämlich die Bornholmer Uhr und die Mora Uhr. Die erste Linie beginnt der Erzählung nach um das Jahr 1730 , als auf der Insel Bornholm ein englisches Handelsschiff strandete , das unter anderem 5 oder 6 englische Standuhren zum Verkauf bringen sollte . Die örtliche Bevölkerung leistete zwar den Schiffbrüchigen die nötige Hilfe ,anschließend plünderte sie allerdings das Schiff und ließen die Standuhren "mitgehen" Ein bis zwei Jahre später erschienen dann die ersten Bornholmer Uhrwerke , die -wen wundert´s - den englischen Werken auf´s Haar glichen , mit einem Unterschied : Da die Bornholmer keinen Zugang zu hochwertigem englischen gewalzten Messing hatten , fertigten sie die Uhrwerke aus Rotguss , d.h. ungewalztem Messing. Deshalb sieht man in den Platinen der Bornholmer auch häufig Gussfehler , Lunkern u.ä.
Die andere Linie schwedischer Standuhren beginnt in der Provinz Dalarna im frühen 18.Jahrhundert ,sie erlebte eine Blüte von ca 100Jahren und ging dann Dank der amerikanischen und deutschen Konkurenz unter; der letzte Uhrmacher in Mora gab um 1880 auf.
Die Mora Werke sind herrlich archaisch aus Schmiedeeisen : Die Platinen ca 1.5-2mm dick , an der Stelle geplanter Lager sind großzügig dimensionierte Messing-Tampons eingenietet. Die Wellenzapfen sind ohne Ölsenken eingepasst und überragen die Platinen um 2-3mm , das macht das Ölen einfach! Es gibt 3 vierkantig-quadratische Werksäulen , zwei oben , eine unten , vorne vernietet , in der Rückplatine verstiftet.
An der unteren Werkstütze greift der J-förmige Haken an , der das Werk auf dem Werkhaltebrett fixiert . Rückführende Hakenhemmung und Rechenschlagwerk mit Doppelschlägen auf einer oder zwei Glocken sind Standard , das Pendel ist ein Sekundenschläger , und die Gangdauer beträgt eine Woche. Die werke brauchen 4-5 KG Gewichte aus Gußeisen. Da Mora- und Bornholmeruhren zur selben Zeit entstanden , sind sie in stilistisch gleichartige Gehäuse eingebaut worden , zeitlich reicht das vom Barock bis in´s Biedermeier , in Schweden nennt man den Stil "Gustavianisch" ; von außen kann man Bornholmer und Mora oft nicht unterscheiden , wenn die einfachen , gewölbten Blechzifferblätter nicht signiert sind.
Nachfolgend ein paar Bilder eines Mora Werkes welches ich in meinem gerade beendeten Schwedenurlaub restauriert habe.
Viel Spaß mit den Bildern , bei Fragen gerne melden!
Burkhard
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Sol lucet omnibus
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