Kriechströme bei Batterieadaptern / Lebensdauer der Batterie

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KleineSekunde
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Kriechströme bei Batterieadaptern / Lebensdauer der Batterie

Beitrag von KleineSekunde »

Hallo,

bei der Anfertigung von Batterieadaptern für elektrische Uhren (ATO, Brillié) habe ich bislang zur Simulierung der ursprünglichen Vergußmasse Weißleim verwendet. Dieser wurde dann nach dem Austrocknen mit einen schwarzen Edding eingefärbt / angemalt. Diese Lösung sieht ja zunächst auch ganz nett aus:
Batterie ATO Verguss.jpg
Die beiden sichtbaren Kontaktstifte sind natürlich durch den Weißleim "verbunden".

Aufgrund der bisherigen Beiträge / Rückmeldungen, sollte die Lebensdauer einer "handelsüblichen" Batterie (also auch Batterien von Supermärkten) etwa ein Jahr betragen.

Dies ist bei mir leider nicht der Fall.

Könnte es sein, dass der verwendete Weißleim Feuchtigkeit aufnimmt und es somit zu einem "Kurzschluß" zwischen den Kontaktstiften kommt?

Bei dem gezeigten Batterieadapter habe ich die Kontaktstifte also wieder entfernt / ausgeschraubt. Die verwendeten Messingmuttern auf der Oberseite des Gehäuses aus Pertinax blieben dabei durch den Weißleim gut fixiert, so dass die Kontaktstifte anschließend wieder eingeschraubt werden konnten. Auffällig war dabei allerdings eine deutlich sichtbare Korrosion der Kontaktstifte in dem Bereich, wo der Weißleim anliegt. Entweder wirkt also der Weißleim korrosiv oder es kommt aufgrund der Feuchtigkeitsaufnahme zu einer Spannungsreihe mit den anderen Kontaktmaterialien in dem eigentlichen Batterieadapter (Federdraht zur Kontaktierung,...).

Hat hier also jemand Erfahrung mit der (langfristigen, also auch nach einer möglichen Feuchtigkeitsaufnahme) Isolierwirkung von Weißleim?

Eventuell sieht es ja ganz nett aus, wäre aber bezüglich der Lebensdauer der Batterie eher kontraproduktiv...

Vielen Dank!

Schöne Grüße

Guido / KleineSekunde
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praezis
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Re: Kriechströme bei Batterieadaptern / Lebensdauer der Batt

Beitrag von praezis »

Prüfe doch einfach mal den Isolierwiderstand, indem Du die Messspitzen in ca. 2cm Abstand in den Weissleim steckst.
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Typ1-2-3
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Re: Kriechströme bei Batterieadaptern / Lebensdauer der Batt

Beitrag von Typ1-2-3 »

Oder nehme die Batterie heraus und messe mal den Widerstand zwischen den beiden Batterieklemmen. Wenn alles ok ist, sollte der sich gegen unendlich bewegen, wenn Du einen Widerstand misst, hast Du den Fehler gefunden.

Die Korrosion an den Anschlüssen spricht aber dafür, dass ein - wenn auch nur geringer - Strom fließt.

Frank
walter der jüngere

Re: Kriechströme bei Batterieadaptern / Lebensdauer der Batt

Beitrag von walter der jüngere »

Hallo,

nun, schon wenn Weißleim mit Eisen bzw. Messing auch nur relativ kurz in Kontakt kommt, entsteht nach meiner Erfahrung nach gewisser Zeit eine gewisse Korrosion.
Gut zu beobachten bei Pinseln, mit denen mehr oder minder oft Weißleim aufgetragen wird.
Bei dauerhaftem Kontakt mit ausgehärtetem Weißleim ist das Korrosionsverhalten nach meinen Beobachtungen offenbar deutlich weniger aggressiv.

Die elektrische Leitfähigkeit im hier angewendeten Spannungsbereich (also bis etwa 20 VDC) von ausgehärtetem Weißleim dürfte relativ gering sein - ich gehe davon aus, daß sie der von Kunststoffen ähnlich ist.

Wie sich allerdings der Farbauftrag elektrisch gesehen verhält, kann ich nicht sagen.
Ebenso müßte m.E. untersucht werden, inwieweit das Trägermaterial des Deckels leitend ist - auch unter verschiedenen klimatischen Bedingungen (insbesondere bei höherer Luftfeuchtigkeit).
Und natürlich der übrige innere Aufbau dieser Attrappe.

Und wäre m.E. noch zu prüfen, ob die Uhr vielleicht einen vergleichsweise hohen / zu hohen Stromverbrauch entwickelt (hat).

So weit erstmal von meiner Seite.

Bin gespannt, was bei Deinen Messungen herauskommt.

Walter d. J.
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droba
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Re: Kriechströme bei Batterieadaptern / Lebensdauer der Batt

Beitrag von droba »

Hallo Guido,

dass Weißleim korrosiv wirkt halte ich ebenfalls für sehr wahrscheinlich. Denn mir ist schon aufgefallen, dass Schrauben, die mit Leim in Berührung kommen, recht stark und auch recht schnell oxidieren. Aber Deine Nachbauten finde ich sehr atrraktiv und ich muss zugeben, dass auch ich hätte auf die Idee mit Weißleim kommen können.

Deine Erfahrungen lassen es aber geraten sein, eine Alternative zu suchen.

Als gut geeignet kann ich mir auch Acrylpaste vorstellen. Die härtet zwar nicht ganz aus, sondern bleibt eher elastisch. Dafür ist sie aber ebenfalls überstreichbar und sie müsste eigentlich 100% isolierend sein und damit auch jede Korrossion verhindern.

droba
KleineSekunde
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Re: Kriechströme bei Batterieadaptern / Lebensdauer der Batt

Beitrag von KleineSekunde »

Hallo,

zunächst vielen Dank für die Rückmeldungen!

Ja, der Widerstand stellt einen guten Gradmesser für die Isolierung dar...

Bei dem Trägermaterial des Deckels (und des gesamten Gehäuses) handelt es sich um Pertinax. Hier würde ich von einer sehr guten Isolierwirkung ausgehen. Beim Aufdrücken der Meßspitzen meines Multimeters auf ein Reststück lässt sich jedenfalls kein Widerstand messen.

Ein Widerstand zwischen den Kontaktstiften des Batterieadapters lässt sich ebenfalls nicht messen. Auch beim Eindrücken der Meßspitzen in den Weißlein ergibt sich das gleiche Ergebnis.

Nun, die Korrosion an den Schrauben könnte natürlich auch schon während des Aushärtens des Weißleins entstanden sein.

Da nach den Messungen der Weißleim als Ursache für mögliche Kriechströme wohl nicht mehr in Frage kommt (ich werde aber dennoch einen Versuch an Reststücken von Pertinax mit einem entsprechenden Weißleimauftrag nach Feuchtigkeitseinwirkung starten), könnte es ja auch ein generelles Kontaktproblem sein:

Beim Bau des Adapters habe ich die oberen (sehr flachen) Kontakt in dem gekauften Batterieadapter entfernt und durch eine Messingschraube ersetzt. Der Schraubenkopf ist dabei natürlich deutlich höher, als das originale Kontaktplättchen. Bei Einsetzen der Batterie wird dann die untere Kontaktfeder entsprechend stärker zusammengedrückt. Um das Einsetzen der Batterie zu vereinfachen, habe ich also ein Stück der sprialförmigen Kontaktfeder abgeschnitten. Eventuell zu viel... Der Kontakt erfolgte dann jedenfalls nur noch eher punktförmig an dem unteren Batteriemantel und eben nicht mehr flächig durch einen gesamten Umgang der Kontaktfeder, wie ursprünglich vorgesehen. Also eher nicht optimal...

Die Lötstelle an der unteren Kontaktierung am Batterieadapter war wohl auch nicht sehr gut: Der Kunststoff war jedenfalls durch zu lange Hitzeeinwirkung angeschmolzen und der Kontakt "wackelte" etwas.

Ich habe jetzt jedenfalls einen neuen Batterieadapter (vorsichtiger) eingelötet, den Kopf der oberen Kontaktschraube weiter abgefeilt, um dadurch Platz zu sparen und die untere Kontaktfeder nicht mehr gekürzt. Weiterhin habe ich die Kontaktfahnen in der Uhr etwas weiter auseinander gebogen, so dass jetzt eine strammere Kontaktierung mit den Stiften an dem Batterieadapter vorhanden ist.

Mal sehen, wie es sich jetzt entwickelt.

Schöne Grüße

Guido / KleineSekunde
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Typ1-2-3
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Re: Kriechströme bei Batterieadaptern / Lebensdauer der Batt

Beitrag von Typ1-2-3 »

Wenn die Batterie schnell leer war, dann kann es daran aber nicht gelegen haben. Dann muss irgendwo ein stärkerer Verbraucher da sein. Bei schlechten Kontakten kann es nur sein, dass die Batterie noch gar nicht leer war, und die Uhr trotzdem stehen blieb. Dann kann es natürlich ein Kontaktfehler sein.

Frank
KleineSekunde
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Re: Kriechströme bei Batterieadaptern / Lebensdauer der Batt

Beitrag von KleineSekunde »

Hallo Frank,

ich habe leider den Fehler gemacht und die Batterien nicht nachgemessen, sondern einfach nur getauscht...

Außerdem kann ich auch nicht genau sagen, wie lange die Batterie gehalten hat, sicherlich länger als ein paar Monate aber ganz bestimmt deutlich weniger als ein Jahr. Jetzt habe ich es mir notiert und kann dann hoffentlich in einem Jahr berichten.

Schöne Grüße

Guido
KleineSekunde
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Re: Kriechströme bei Batterieadaptern / Lebensdauer der Batt

Beitrag von KleineSekunde »

Hallo,

diese ATO-Uhr ist leider wieder stehen geblieben:
Gehäuse fertig vorne.jpg
An der Batterie liegt es sicherlich nicht, sie liefert immer noch eine Spannung von 1,6 Volt.

Die Kontakfeder am Pendel als auch die gabelförmige Kontaktwippe mit den zugehörigen Kontakten sehen gut aus und sind öl- und fettfrei.

Allerdings sieht der Bereich der Pendenaufhängung nicht wirklich vertrauensvoll aus. Zur Schmierung der Lagerstellen habe ich Moebius 8300 verwendet, ein milchig weißes Fett. Daraus ist im Laufe der Zeit eine braune, zähe Paste geworden:
Pendelaufhängung 1.jpg
Ist das verwendete Fett in dem Bereich überhaupt geeignet? Sollten die Drahtaufhängungen eventuell mit mikrokristallinem Wachs behandelt werden, um eine Rostbildung zu vermeiden (aufgrund der brauen Farbe würde ich hier jedenfalls auf Rost tippen, obwohl die Drahtbügel aus Klaviersaitendraht sonst keine Rostbildung aufweisen)?

Vielen Dank!

Schöne Grüße

Guido / KleineSekunde
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derTeichfloh
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Re: Kriechströme bei Batterieadaptern / Lebensdauer der Batt

Beitrag von derTeichfloh »

Hallo,
ich habe zwar keine ATO-Uhr mit einer solchen Pendelaufhänung, dafür aber einige HolzZahnRadUhren damit.
Fett ist hier wirklich nicht geeignet. Ich verwende ein harzfreies Öl (es muss keine Uhrmacheröl sein, Feinmechaniker-Öl tuts auch), sehr sparsam sein.
Pendelaufhang.jpg
Gruß,
derTeichfloh
(HolzZahnRadUhren-Sammler)
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Gruss
derTeichfloh

HolzZahnRadUhrenSammler
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